moreTIGHT DEUTSCH-POLNISCHER KÜNSTLER:INNENAUSTAUSCH 2022

Die Künstlerinnen Manja Barthel, Constanze Böckmann, Monika Grobel und Nina May erarbeiten gemeinsam mit den polnischen Künstlerinnen Anna Bujak, Karolina Freino und Karolina Szymanowska die Ausstellung moreTIGHT.
Diese findet vom 16.09. – 09.10.2022 in der Runden Ecke (Riesaefau Kulturforum Dresden) statt.
Die Künstlerinnen stehen seit 2021 miteinander in Kontakt. Dort hatten sie Gelegenheit gemeinsam in der Galerie Kunstgehaeuse in Dresden zusammen auszustellen.
Ziel ist es, durch den Austausch über die künstlerische Arbeit zwei Ausstellungen zu erarbeiten, welche sich mit dem weit gefassten Thema der Enge, „Tight“ befasst. Eine in Dresden, die andere ist noch in Planung und wird vorraussichtlich 2023 in Wrocław stattfinden.

Nach Zeiten der Isolation, der eingeschränkten Kommunikation und geschlossenen Grenzen widmen sich die Künstlerinnen intensiv dem Austausch mit den anderen / polnischen Künstlerinnen zum Thema „tight“ (englisch: eng, fest, dicht, gedrängt, streng, betrunken) Die gemeinsamen Asssoziationen hierzu bewegen sich zwischen zwei Extremen. Einerseits gibt es die Enge, welche durch Regeln, durch das Gefühl in die Enge getrieben zu sein oder durch die Begrenzung eines Raumes gegeben ist – tight space (enger Raum), get oneself in a tight corner (in der Klemme stecken).
Andererseits sind mit „tight“ auch positive Emotionen verbunden, zum Beispiel angenehme, menschliche Nähe – hold me tight (halt mich fest) und Geborgenheit und Sicherheit – sleep tight (Schlaf gut!).

Ursprünglich aus der Situation der Pandemie empfunden, knüpft es nun zusätzlich an das Gefühl an, dass wir eng zusammenstehen, zueinander stehen müssen. Nun sollten wir uns eher gegenseitig halten, bezogen auf die derzeitige Lage der Länder der Welt, um das friedlichen Miteinander zu ermöglichen. Auch das Ziehen an einem gemeinsamen Strang, um unsere Erde bewohnbar zu halten bedarf einer engen Zusammenarbeit.
Um dieses Thema drehen sich die Arbeiten, welche im gemeinsamen Austausch nun entstehen.

Die Fördermittel werden benötigt für die Finanzierung der Leihgabe der Technik zu der Ausstellungseröffnung.

WIN/WIN – Wir gratulieren!

Alexandra Müller, Bretterbude, 2019

„WIN/WIN“ heißt der Titel der Ausstellung in der Leipziger Baumwollspinnerei,  in der die 30 Neuankäufe der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen jetzt zu sehen sind. 

Vom 25.06. – 28.08.2022 sind die Arbeiten in der Bandbreite von Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien, Objekten und Installationen bis hin zu Performances, Foto-, Video- und Audioarbeiten in der HALLE 14, dem Zentrum für Zeitgenössische Kunst zu sehen.

Eine echte Win-Win-Situation für die Künstler:innen, deren Werke ausdrücklich mit dem Ziel angekauft werden, sie an wichtigen Punkten ihrer Karriere finanziell zu unterstützen und ihre Arbeiten öffentlich zugänglich zu machen. Wie auch für die Stiftung selbst, die mit diesen Ankäufen unter Beweis stellt, wie vielseitig die  Kunstszene Sachsens ist, so Stiftungsdirektor Dr. Manuel Frey:

„Wenn man wissen will, was in Sachsen „state of the art“ ist, dann kommt man in dieser Schau definitiv nicht vorbei.“

Christian Rätsch, o.T. (Grün + Berg), 2022

Der Künstlerbund Dresden schließt sich dem Win-Win mit Gratulationen an die eigenen Mitglieder an. Beteiligt sind:

  • Gudrun Brückel
  • Manja Drachsel
  • Felix Lippmann
  • Alexandra Müller (Titelbild: Ausschnitt aus „Bretterbude“, 2019)  und
  • Christian Rätsch
Felix Lippmann, Schichtung I, 2022

Weitere Informationen zur Ausstellung

„WIN/WIN – Die Kunstankäufe der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 2022“
Ausstellungsdauer 25.06. – 28.08.2022
Öffnungszeiten: Di – So, 11-18 Uhr
Ort: HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst,
Leipziger Baumwollspinnerei
www.halle14.org

 

Aktzeichnen im Sommer

Endlich ist es wieder so weit: Schon am 05.07. 2022 geht es los. In den Startlöchern steht dafür Folker Fuchs, Neu-Mitglied seit Mai und erfahren im Geben von Aktzeichenkursen. Wir planen die Kurse im Intervall von zwei Monaten und legen sie immer auf den ersten Dienstag im Monat. Dementsprechend sind die Termine in diesem Jahr:

05.07.2022, 18 Uhr

06.09.2022, 18 Uhr

01.11.2022, 18 Uhr

Die Kurse werden in den Räumen der Geschäftsstelle auf der Hauptstr. 34
stattfinden und sind ausgebucht.

Tag der Nachhaltigkeit

Beim Workshop in unseren Räumen leiten Alina und Samira von &schoen Schüler:innen der 11. Klasse des Dresdner Vitzthum Gymnasiums an, ihre eigene Hautpflege herzustellen. Ohne Chichi, ohne Plastik, ohne Silikon. Mit natürlichen Inhaltsstoffen. Eben nachhaltig!

Der Künstlerbund Dresden hat im März die Dresdner Charta für Nachhaltigkeit im Kultursektor unterzeichnet. Unsere Zielstellung als Künstlerbund Dresden ist dabei vor allem die soziale Nachhaltigkeit. Denn Bildenden Künstler:innen steht unter anderem eine angemessene und faire Vergütung ihrer Arbeit und eine ausreichende Absicherung im Alter zu! Deshalb wollen wir viele Tage der Nachhaltigkeit. Tage über Tage!

Wer Lust hat, den so inflationär gebrauchten Begriff für uns noch mit deutlich mehr Inhalt zu füllen, ist eingeladen in Kommentaren hier auf der Website zu reagieren. Wir freuen uns außerdem über  Fotos von euren Arbeiten, die sich damit beschäftigen. Schickt Sie uns per Mail – wir sammeln erst einmal und werden sie dann auch veröffentlichen.

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Nachhaltigkeit – ein Begriff mit Wurzeln im sächsischen Barock

Nachhaltigkeit – ein Begriff mit Wurzeln im sächsischen Barock

Wer weiß das überhaupt noch? Hand auf’s Herz, die meisten haben sicherlich davon gehört oder gelesen oder beides. Wir erinnern deshalb, dass die Spur zurück führt ins barocke Sachsen, zu Hans Carl von Carlowitz, in die Silberstadt Freiberg.

Angesichts einer drohenden Rohstoffkrise verwendete er in seinem Hauptwerk „Sylvicultura oeconomica“ erstmals den Begriff „Nachhaltigkeit“ und forderte, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen konnte. Mit seiner Kritik an der Ausrichtung des Wirtschaftens an kurzfristigen Gewinnen ist sein Buch aktueller denn je.  Und Carlowitz avancierte zum Vorreiter der Nachhaltigkeitsidee.

Erstmals publiziert wurde das Buch auf der Leipziger Ostermesse 1713.

 

 

Heute: Lange Nacht der Galerien und Museen im Barockviertel

Die Galerien und Museen im Barockviertel haben sich zusammengeschlossen und laden heute, am 16. Juni 2022 zur Langen Nacht der Galerien und Museen im Barockviertel ein.

Bereits zum 15. Mal können Kunstinteressierte an diesem Abend nicht nur eines der größten Ausstellungshäuser Dresdens – das Japanische Palais – zur “LANGEN NACHT“ besuchen und einen imaginären Blick auf die künftige Heimstatt des „Archivs der Avantgarden“ im historischen Blockhaus werfen, sondern vor allem auch spannende Ausstellungen in den zahlreichen Galerien im und rund um das Barockviertel erleben.

Neben den Präsentationen in zahlreichen Galerien und auch bei uns erwarten die Besucher Sounds, Künstlergespräche, Führungen Lichtinstallationen, und Performances sowie zum Ausklang der Nacht leckere Drinks zum Midnight Art Together in der HERZ american bar inmitten der Inneren Neustadt!

hier geht es zur Langen Nacht

Foto: Ausschnitt aus „Charonne“, 2021, Öl auf Leinwand, Anne Ditscherlein.

Das Original ist Teil unserer aktuellen Ausstellung „Willkommen! Neue Besen – Alte Hasen“

 

Ein Zeichen für Langsamkeit

Anja-Alexandra Kaufhold greift meistens zum Zeichenstift, um auszudrücken, was in ihr ist.  Als  Mitglied im Künstlerbund Dresden hat sie jetzt bereits zum zweiten Mal zu einer Geh-Performance eingeladen, die vom Neustädter Markt in Dresden die Hauptstraße hoch führte – also gleich um die Ecke unserer Geschäftsstelle.

Nach dem Motto „Jetzt ist Immer“ beinhaltet das Konzept absichtsloses Bewegen im öffentlichen Raum mit dem Zweck ein Zeichen für Langsamkeit zu setzen.

Das sei für alle eine besondere Erfahrung gewesen,  berichtet sie und fügt hinzu:  „Dieses langsame, bewusste Gehen ist auch für die Zuschauer eine Herausforderung, besonders für die Menschen, die auf den Bänken ein schattiges Plätzchen gefunden hatten.“

Die Geh-Performance wird über unseren Mitglieder:Fördertopf (via Anmeldung im Internen Mitgliederbereich) mit angeschoben. Interessierte können sich den Terminen im September und Dezember anschließen. Wir berichten!

Fotos: Chris Wagner

Applaus ist keine Währung

Dresden steht vor der Wahl der neuen Stadtspitze. Am 12. Juni entscheiden die Wähler über die Oberbürgermeisterin oder den Oberbürgermeister. Die DNN haben Akteure aus der Gesellschaft befragt, welche Erwartungen sie an das nächste Stadtoberhaupt haben. Heute: Torsten Rommel, Geschäftsführer des Künstlerbundes Dresden und Sprecher für die Bildende Kunst im Netzwerk Kultur Dresden, einem Zusammenschluss der freien Szene.

DNN: Dem Blick voraus will ich einen Blick zurück voranstellen. Welches Fazit gibt es zu den vergangenen Jahren mit OB Dirk Hilbert, mit Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch und dem Stadtrat aus Sicht des Künstlerbundes? Was hat sich getan, was nicht?
Torsten Rommel: Die Arbeit von Frau Klepsch wird von vielen Akteuren der Kunst- und Kulturschaffenden wertgeschätzt, insbesondere auch innerhalb der freien Szene. Sie ist interessiert an unserer Arbeit und engagiert, die notwendigen Verbesserungen unserer Rahmenbedingungen anzuschieben. Ihr vorgelegtes Konzeptpapier „Fair in Dresden 2025“ nimmt Forderungen des Netzwerks Kultur auf und sieht eine sinnvolle Anpassung von Förderinstrumenten und Budgets der Kulturförderung an die Entwicklung der freien Kulturszene vor.

Zudem hat sich insgesamt in unserer Kommunalpolitik bezüglich der Anerkennung und Wahrnehmung der Kultur und Kreativwirtschaft viel getan. Die Wirtschaftsförderung ist entsprechend ausgestaltet worden, die Kreativraumförderung verstetigt. In der Vergangenheit jedoch, und das kritisiere ich, wurde der Fokus der Förderung von Kultur und Kreativwirtschaft stetig stärker auf die Kreativwirtschaft gesetzt, also auf Aspekte wie Dienstleistungen, Produktentwicklung, Unternehmertum,
Arbeitsplätze, Gewerbesteuern.

DNN: Klassische Wirtschaftsförderung also.
TR: Genau – und das ist ja grundsätzlich auch nicht verkehrt. Aber was in der Förderung zunehmend aus dem Blick gerät, sind die Themen der intrinsisch motivierten Kunst und Kultur. Hier sehen wir zukünftig eine Menge Gestaltungs- und Investitionsbedarf. Und so fehlt es immer noch an einem ausreichenden politischen Handeln bezüglich Atelier- und Probenräumen, insbesondere für die Musik und die Bildende Kunst in Dresden.
Die Trennung zwischen Kultur und Kreativwirtschaft ist nicht nur, aber eben auch in Dresden immer stärker aufgehoben worden. Gerade in der Pandemie, als Freizeit- und Kultureinrichtungen im Rahmen von Schließungsverordnungen auf eine Ebene gestellt wurden, hat sich das überdeutlich gezeigt. Dies berücksichtigt jedoch nicht, dass es sich dabei um zwei Branchen mit ganz unterschiedlichen Zielen, Aufgabenstellungen sowie Arbeitsprozessen und Rahmenbedingungen handelt.

DNN: Wie ist das zukünftige Stadtoberhaupt hier gefordert?
TR: Vor allem geht es darum, die Bedeutung von Kunst und Kultur für eine Stadtgesellschaft zu verstehen und dieses Verständnis in politisches Handeln zu integrieren. So kommen dann auch Themenfelder wie Verkehrswende, Nachhaltigkeit, Klimaneutralität oder die neuen Fragen unserer
Energieversorgung ins Spiel. Schließlich haben sich Künstler und Kreative schon immer mit Veränderungsprozessen beschäftigt und arbeiten kollaborativ. Sie können in solche stadtgesellschaftlichen Prozesse viel stärker eingebunden werden. Da ist in Dresden deutlich Luft nach oben. Hier holt sich die Stadt anfangs zwar oft Input, aber der spätere Austausch zu den Themen kann und muss klar besser werden.

DNN: Gibt es da Beispiele?
TR: Nehmen wir den aktuellen Kulturentwicklungsplan der Stadt. Da gab es zu Beginn auch Einbindungen der freien Szene. Gespräche wurden geführt, Eingaben wurden gemacht, dann entschied sich jedoch auf anderen Ebenen, was nun final drinsteht und was nicht. Ein weiterer oder fortführender Dialog war in diesem Prozess nicht vorgesehen. Auch im Rahmen der Kulturhauptstadt-Bewerbung 2025 (Dresden scheiterte 2019 in der ersten Runde, T.K.) verlief es nach dem gleichen Muster. Die große Überschrift damals war „Partizipation und Beteiligung“. Was dabei rauskam, war dramatisch muss man sagen. Trotz großem Engagement bei der inhaltlichen Ausrichtung, mit zahlreichen Projektvorschlägen seitens der Kulturszene und der Stadtgesellschaft insgesamt, entstand daraus eine Bewerbung mit Kunst und Kultur als Vehikel einer Strategie fürs Stadtmarketing.

Jüngstes Beispiel ist dann der Alte Leipziger Bahnhof. Dort gibt es einen Beteiligungsprozess, aber dafür viel zu kleine Zeitfenster der Rückkopplung in eine breitere Stadtgesellschaft. Man hat die Fläche lange vor sich hinvegetieren lassen, und nun muss alles plötzlich ganz schnell gehen. Die dort seit Jahren angesiedelten Atelier- und Kunstorte Hanse 3 und Blaue
Fabrik nicht nur zu erhalten, sondern als maßgeblichen Impulsgeber für die weitere Entwicklung des nord-östlichen Bereichs des Areals zu setzen, ist wesentlich. Die Stadt muss mehr und bessere Möglichkeiten bieten, Leute mittun zu lassen. Das gelingt nicht so gut – und das ist frustrierend.

DNN: „Starke Wirtschaft“ ist das Mantra des amtierenden OB. Mir fehlt aber eine Idee – von Vision gar nicht zu reden -, wo diese Stadt in ihrer Selbstwahrnehmung hin will. Stichwörter: Stadtteile, Ghettoisierung, Gentrifizierung, soziale Durchmischung. Wenn ich schaue, wo welche Baulücken in Dresden wie geschlossen werden, steigt mein Puls. Ich sehe oft eine phantasielose Zukleisterung von Stadt und öffentlichem Raum. Für eine freie Kulturszene bleibt so natürlich ebenfalls kein Spot übrig. Und Potenzial wird in Dresden ganz oft rein monetär verstanden.
TR: Diese Politik ist überholt, davon müssen wir uns einfach verabschieden. Politischer Wille zur Transformation lässt sich auch daran festmachen, welche Bereitschaft da ist, bezahlbare Atelier- und Arbeitsräume für Kultur und Kreativwirtschaft zu halten oder zu schaffen. Da sind wir in Dresden ganz weit hinten. Bis vor ein paar Jahren gab es immer noch ein paar Räume und
Leerstände, da kümmerten sich die Künstler selbst. Aber der Zug ist lange abgefahren, die Kommune muss sich engagieren.

Jetzt ist ein grundlegendes Umdenken notwendig, in dem Kunst und Kultur nicht als Solitär neben der Stadtgesellschaft stehen. Sie müssen mitten in die elementaren gesellschaftlichen Prozesse eingebunden sein. Das haben wir in den letzten Jahren nicht geschafft, das muss man so festhalten.

DNN: Wo klemmt es denn genau?
TR: Ich denke, es klemmt daran, dass zum einen Beteiligung und Partizipation professionalisierter umgesetzt werden müssen. Dann brauchen die Entscheidungsträger in der Verwaltung die notwendige politische Unterstützung für solche Prozesse, deren Ausgang zu Beginn noch unklar und offen ist. Womöglich existiert auch eine gewisse Furcht in den
Verwaltungsstrukturen vor Mehrarbeit.

DNN: Heißt, die Verwaltung bleibt lieber unter sich?
Das heißt, dass die Verwaltung vielleicht mit ihrer aktuellen Personalausstattung hier überfordert ist. Auch diese Strukturen müssten verbessert werden. Der große Wunsch der Kunst- und Kulturschaffenden in Dresden ist jedenfalls der nach Teilhabe auf Augenhöhe. Für die Stadt hieße das, diese Leute vollumfänglich einzubinden und sie nicht irgendwo Konzepte stricken zu lassen, um Inputs zu liefern und sie dann auf halber Strecke zurückzulassen.

Vieles steht und fällt damit, ob man die Kultur-Akteure als essenziell wichtig für die Stadtentwicklung sieht. Entsprechende Teilhabe müsste der OB dann über die Fachbereiche des Rathauses einfordern. Eine Vielzahl an künstlerischer Arbeit geschieht in Selbstausbeutung. Grundlage für Teilhabe der Kulturschaffenden ist jedoch, dass sie nicht permanent um ihre wirtschaftliche Existenz bangen müssen, um sich überhaupt in solche Prozesse einbringen zu können. Applaus ist keine Währung. Sowohl die vom Kulturamt auf den Weg gebrachte „Charta der Nachhaltigkeit im Kultursektor“, die unter anderem soziale Nachhaltigkeit als Zielmarke setzt, wie auch die neu gestaltete Kulturförderrichtlinie sind wichtige Vorgaben, um eine faire Bezahlung im Kulturbereich zu erreichen. Ein zukünftiger OB sollte das erkennen und seinerseits entsprechende Vorgaben machen, um die von Verwaltung und Stadtrat richtigen und wichtigen Ansprüche des
Kultursektors in die Haushaltsplanungen einfließen zu lassen.

DNN: Eine Richtlinie ist aber wenig verbindlich.
Realistisch wäre es deshalb, sich Zielmarken zu setzen. Also nicht zu sagen, das wäre schön, aber wir haben das Geld nicht und verharren im Stillstand. Sondern zu sagen: Wir haben es jetzt nicht, aber verpflichten uns verbindlich über Entwicklungsschritte, in ein paar Jahren einen bestimmten Status zu erreichen. Da würde ich ein Stadtoberhaupt in der Pflicht sehen. Dass bei einem konstanten Kulturhaushalt und aufgrund steigender Personalkosten von Tariflöhnen in kommunalen Häusern Mittelkürzungen bei der freien Szene die Folge wären, hielte ich für eine grundfalsche und fatale Entwicklung.

DNN: Die jüngsten Entwicklungen wie der Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Mehrausgaben, auch für Kommunen, bieten natürlich generell ein gutes Gegenargument. Erst mal den Gürtel enger schnallen…
TR: Klar wird das kommen. Da sind wir dann wieder beim Thema, an welcher Stelle gespart werden soll. Da kommunale Ausgaben für Kunst und Kultur eben Investitionen in die Entwicklung und Transformationsfähigkeit unserer Stadtgesellschaft sind und nicht bloß Kosten für die „schönen Künste“, sollte nicht da gespart werden, wo der Gürtel ohnehin schon zu eng ist.

Da haben wir noch gar nicht von der sogenannten Subkultur gesprochen. Wie sieht es denn dort aus?
Wie haben ja zum Glück eine ganz starke Subkultur in der Stadt, die wohl auch aufgrund einer bürgerlichen Verkrustung sehr lebendig ist. Den Akteuren entsprechende Räume, Freiräume anzubieten, auch sie stärker zu fördern und zu unterstützen, bleibt ein Dauerthema. Und apropos Raum: Die Robotron-Kantine soll die Stadt als Ausstellungsort sichern, aus der Interimsnutzung durch das Kunsthaus heraus eine Dauernutzung ermöglichen. Die Stadt braucht das Kunsthaus und das Kunsthaus die Stadt. Genau an diesem Ort.

Interview DNN, 09.06.2022: Torsten Klaus

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Ankauf und Schenkung aus Nachlass

Ein Teil des Nachlasses des im Februar 2021 verstorbenen Malers Ernst-Günther Neumann befindet sich derzeit noch in unserem Notfall-Nachlass-Depot. Aber nicht mehr lange: Ankauf und Schenkung einzelner Bilder und Collagen sind vereinbart.

Heute trafen sich Martina Neumann und Uta Houfek, die beiden Töchter des Künstlers, mit Dr. Peter Knüvener, dem Direktor der Städtischen Museen Zittau, um die Werke im Original zu sichten und Details einer Übergabe zu vereinbaren.

Hier sind sie vor einem Motiv zu sehen, das die Landschaft bei Hörnitz nahe Zittau zeigt. Ernst-Günther Neumann wurde 1928 in Zittau geboren und hat den größten Teil seiner Kindheit dort verbracht.

Geschäftsführer Torsten Rommel sagt: „Wir freuen uns, dass unser Angebot der Notfallsicherung für künstlerische Nachlässe, in diesem Fall zu einer dauerhaften Sicherung von Werkbeständen führen konnte.“

Stipendium für eine Forschungsresidenz in Rotterdam

Achtung | Geänderter Zeitraum:
Die Residenz ist jetzt fixiert auf den Zeitraum: 1. Oktober – 30. November 2022

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut der Niederlande, sowie dem Centrum Beeldende Kunst Rotterdam (CBK) schreibt die Landeshauptstadt Dresden erstmals ein Stipendium für eine künstlerische Recherche (artistic research) unter dem Titel „Gesellschaftlicher, historischer und politischer Kontext von Kunstwerken und Denkmälern im öffentlichen Raum“ als Reisestipendium nach Rotterdam in den Niederlanden aus.

Der Schwerpunkt der Vorhaben sollte sich dabei zeitlich auf den Bereich Kolonialismus bzw. Postkolonialismus fokussieren und thematisch Kunstwerke und Denkmäler aus dieser Epoche zum Gegenstand wählen, die unter dem Aspekt einer freiheitlich-demokratischen und diskriminierungsfreien Gesellschaftsordnung einer Kontextualisierung bedürfen.

Die Forschungsresidenz soll Kulturschaffenden aus dem Bereich Bildende Kunst, aber auch aus anderen künstlerischen Disziplinen (z. B. Medien- und performativen Künsten) die Möglichkeit zu einer eingehenden Untersuchung von Denkmä[1]lern und öffentlichen Kunstwerken und ihrem politischen und historischen Kontext vor Ort geben.

Die Entscheidung: Eine Jury aus Vertreter*innen des Amtes für Kultur und Denkmalschutz, dem Goethe-Institut der Niederlande sowie dem Centrum Beeldende Kunst Rotterdam (CBK) sichten die eingereichten Bewerbungen und wählen den/die Künstler*in aus. Das Ergebnis wird voraussichtlich Mitte Juli 2022 bekanntgegeben.

AP: Martin Chidiac, Tel. (03 51) 4 88 89 33
Bewerbungsschluss: 4. Juli 2022

Ob das Stipendium tatsächlich realisiert werden kann, richtet sich nach aktuellen Reisebestimmungen in Bezug auf die Covid-19-Pandemie. Weitere Informationen und Reiseberichte unter: dresden.de/reisestipendien.